Die Situation bei Firmenübernahmen (Mergers & Acquisitions) in der deutschen Logistikwirtschaft ist gekennzeichnet durch hohe Preise und internationale Interessenten. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Miebach Consulting und der DVZ hervor. Demnach schätzt rund ein Drittel der Befragten die aktuellen Preise als hoch (21 Prozent) oder sehr hoch (11 Prozent) ein. Lediglich 18 Prozent als gering und zwei Prozent als sehr gering. Preistreiber könnte das zunehmende Interesse ausländischer und hier vor allem asiatischer Käufer sein. Übernahmen werden nicht als Alternative angesehen, um anstehende Entwicklungsaufgaben des Unternehmens schnell zu bewältigen. Dies gilt für IT-Herausforderungen wie Digitalisierung, 3D-Druck oder Big Data ebenso wie für die Weiterentwicklung des Serviceportfolios.

„Trotz eines relativ hohen Preisniveaus hat der Markt seit 2013 wieder deutlich zugelegt. Dabei ist das Suchmuster der potenziellen Käufer über die Jahre hinweg überwiegend stabil“ – so Studienleiter Dr. Klaus-Peter Jung über die Ergebnisse.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Übernahme sind die finanzielle Performance des Zielunternehmens und der Know-how-Erwerb weiterhin zwei wesentliche Kriterien. Grundsätzlich, so stellt die Studie fest, trauen sich Dienstleister allerdings heutzutage auch die Übernahme von Firmen zu, die bezüglich Mitarbeiterzahl und Umsatz größer sind als sie selbst. In den letzten sieben Jahren hat sich das Bild, welche Branche für M&A als attraktiv bzw. unattraktiv angesehen wird, kaum gewandelt. An der Spitze stehen nicht mehr Unternehmen der Automotbilbranche, die auf Platz drei abgerutscht ist, sondern aus dem Sektor Chemie/Pharma. Auf Platz zwei liegen After-Sales-Services.  Transportdienstleistungen wie See- und Luftfracht sowie Sondertransporte haben ebenso an Attraktivität gewonnen, rangieren aber deutlich hinter komplexen Kontraktlogistik-Angeboten.

Der vollständige Studienbericht kann angefordert werden bei Ralf Hoffmann

Hintergrund zur Studie:
In den Monaten Mai und Juni 2015 führten die DVZ und Miebach Consulting eine Markterhebung zum Thema Mergers & Acquisitions in der Logistik bei deutschen Finanzinvestoren und Logistikdienstleistern durch. Die Studie ist eine Aktualisierung der 2005 / 2006 sowie 2008 gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg durchgeführten Befragungen. 63 Personen nahmen an der Studie teil. Bei der überwiegenden Mehrheit der angeschriebenen Personen aus Dienstleistersicht handelt es sich um Geschäftsführer, Vorstände oder Leiter M&A. Angefragt wurden deutsche Dienstleister oder deutsche Töchter internationaler Dienstleister und damit Ansprechpartner, die den deutschen Markt widerspiegeln.