Supply Chain Risk Profiling: Erstellen Sie ein Risikoprofil für Ihre Supply Chain

Supply Chain Risk Profiling - Einführung

Schon vor der Corona-Pandemie wurden Lieferketten durch auftretende Risiken gestört, die Folgen oftmals schwerwiegend. In Form verschiedenster Kostenarten, seien es Produktivitätsverluste, Umsatzverluste oder Bestandsaufbau, und an unterschiedlichen Stellen in der Supply Chain können Risiken auftreten. Mangelnde „Visibility“ kann als ein maßgeblicher Grund angeführt werden, warum es zu Unterbrechungen infolge von Risikoeintritten kommen kann.

In der Miebach Studie über Supply Chain Risk Management (SCRM) von 2019 gaben nur 40% der Befragten an, einen guten Informationsstand über die Risiken entlang ihrer Lieferkette zu haben. Diese fehlende Transparenz herzustellen, ist einer der entscheidenden Schlüssel im Management von Risiken, bedarf aber oftmals eines unternehmerischen Kraftaktes. Einen Supply-Chain-Risk-Management-Prozess in der Organisation zu implementieren und zu etablieren, z. B. in Form einer SCRM-Software, ist mit hohem Zeitaufwand und hohen Investitionen verbunden. Unternehmen schrecken daher von einer Implementierung zurück und vertrauen darauf, dass sie von Risiken verschont bleiben. 

Abbildung 1: Der Anspruch an ein SCRM ist die Minimierung der Auswirkungen von Risiken entlang der Lieferkette

Dabei ist es nicht nötig, ein vollumfängliches SCRM einzuführen, um Transparenz in das logistische Netzwerk zu bringen. Bereits mit kleinen Schritte kann ein großer Effekt erzielt werden. Beispielsweise allein durch die Identifikation und anschließende Überwachung von besonders kritischen Produkten, Regionen oder Lieferanten. Weitere positive Effekte, die ein SCRM in das Unternehmen bringen kann und wie es unterstützt, globale und vernetzte Lieferketten zu überwachen, können Sie der nebenstehenden Abbildung entnehmen.

Lieferketten sind heute globaler und vernetzter denn je. Bauteile oder Fertigerzeugnisse haben oft eine Weltreise zurückgelegt, bevor sie den Endkunden erreichen. Dabei verlaufen die Supply Chains oftmals durch Regionen, in denen die Risiken für die Supply Chain wahrscheinlicher und verheerender sind. Diese zu kennen kann von unschätzbarem Wert sein.

Abbildung 2: Beispielhaftes Risikoprofil für die Supply Chain

Erstellen Sie ein Risikoprofil für Ihre Supply Chain und erhalten Sie mehr Transparenz und Entscheidungssicherheit!

Das SC-Risk Profiling beinhaltet vier Phasen: In verschiedenen Workshops werden mit fachbezogenen Mitarbeitern der Reifegrad des vorhandenen Risikomanagements für die Supply Chain analysiert, sowie potenzielle Risiken identifiziert und bewertet. Die Ergebnisse werden verglichen und abschließend in einem Risikoprofil zusammengefasst, aus dem Potenziale und allgemeine Maßnahmen abgeleitet werden können.

Risikoprofil erstellen am Beispiel Fashionbranche

In der Fashionbranche verlaufen viele Lieferketten durch Südost-Asien. Diese Region ist in verschiedenen Risikokategorien stärker gefährdet als Länder Europas, durch die die Supply Chain ebenfalls verläuft. Eine Identifikation, Bewertung und Überwachung der Risiken dieses Teils der Supply Cain kann daher bereits einen Mehrwert stiften. Für definierte Kategorien wie Natur, Politik, Infrastruktur, Logistik oder IT identifizieren Sie im Supply Chain Risk Profiling entsprechende regionale Risiken. Die Liste konkreter Bedrohungen, allgemeingültig wie branchen- oder unternehmensspezifisch, kann dabei schnell ausufern: Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen, Stromausfälle, Qualitätsprobleme, unqualifizierte Mitarbeiter, politische Entscheidungen oder Gesetzesänderungen spiegeln nur einen kurzen Auszug wider. Umso wichtiger ist es, die Risiken zu priorisieren, um eine klare Unterscheidung im Gefährdungspotenzial zu erzielen. Dies erreichen Sie durch die Bewertung nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß, wobei Letzteres nach Kosten, Zeit und Qualität unterschieden werden sollte.

Jedes Risiko wird dahingehend bewertet, wie stark es eines der drei Ziele gefährdet. Durch diese Vorgehensweise schaffen Sie Transparenz in der besonders anfälligen Region und erarbeiten das Know-how über die Gefährdungslage. Anhand dieser Ergebnisse können anschließend punktuelle und erfolgsversprechende Maßnahmen definiert werden, welche im Falle des Risikoeintritts ohne größeren Zeitverlust ergriffen werden können. Dadurch kann der Risikoeintritt nicht vermieden werden, aber durch die überlegte, schnelle und zielgerichtete Reaktion können die Auswirkungen des Risikos auf die gesamte Supply Chain und das Unternehmen minimiert werden.
 

Erweiterung des Supply Chain Risk Profilings um ein Maturity Profiling

Um neben einem umfassenden Maßnahmenkatalog weitere Optimierungspotenziale abzuleiten, umfasst das Supply Chain Risk Profiling auch ein Maturity Profiling. Es handelt sich dabei um die Gegenüberstellung von Ist-Zustand und Ziel-Zustand Ihres SCRMs. Wenn sich z.B. ein Unternehmen erstmalig entscheidet, die Asien-Supply-Chain einem Profiling zu unterziehen und bisher keine weiteren SCRM-Aktivitäten etabliert hat, so wird der Ist-Zustand aller Risikokategorien auf die niedrigste Stufe gesetzt („Innocence“).

Der Zielzustand für Natur-Risiken wird aufgrund des regionalen Fokus mit „Excellence“ (höchste Ausprägung) definiert, während andere ignoriert werden (weiterhin „Innocence“). Am Ende des Supply Chain Risk Profilings wird der Ziel-Zustand mit dem Ergebnis der Risikobewertung verglichen. Gibt es Diskrepanzen, sollte das Ziel entsprechend der realen Bedrohung, die durch das Profiling identifiziert wurde, angepasst und verfolgt werden.

Aufbauend auf dieser einfach durchzuführenden, qualitativen Analyse des Gefährdungspotenzials bestimmter Supply-Chain-Bereiche, können weitere Untersuchungen angestoßen werden. Hier kann eine Verknüpfung zwischen SCRM und Digitialisierung, speziell dem Thema KI, den Effekt des SCRMs deutlich verstärken und das volle Potenzial ausgeschöpft werden.

Abbildung 3: Das Miebach Risk Profiling schafft umfassende Risiko-Transparenz und den Startpunkt für ein wirkungsvolles Supply Chain Risk Management

Für mehr Informationen zum Thema Supply Chain Risk Profiling finden Sie ein aufgezeichnetes Webinar auf unserem Miebach Youtube Kanal:

 

 

Bei Fragen rund um das Thema Supply Chain Risk Management sowie darüber hinaus können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren.

Kontaktieren Sie den Autor:
 Daniel Simon

Daniel Simon

Consultant

Telefon +49 89 2444210-36

E-Mail simon@miebach.com

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