Nachhaltigkeit und Effizienz am Logistikstandort gezielt steigern
03.07.2026 | Whitepaper von Kevin Wicklein, Miebach
Einleitung: Die Relevanz der grünen Intralogistik
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Logistik verursacht rund 7 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Lange Zeit lag der Fokus der öffentlichen Debatte fast ausschließlich auf dem Transportsektor, insbesondere auf Lkw-Flotten, Frachtschiffen und Luftfracht. Zunehmend rückt jedoch auch ein anderer Bereich in den Blick: Rund 20 % der logistikbezogenen Emissionen entstehen im Warehousing, also in der Lagerhaltung und Intralogistik. |
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Nachhaltigkeit als Investition
Die Rolle von Nachhaltigkeit in der Lager- und Logistikbranche hat sich dabei deutlich verändert. Während sie vor einigen Jahren vor allem als Innovationstreiber und strategisches Zukunftsthema diskutiert wurde, rücken heute zunehmend operative Effizienz und wirtschaftliche Tragfähigkeit in den Mittelpunkt. Der Markt bewertet Nachhaltigkeitsmaßnahmen inzwischen nach denselben Kriterien wie andere Investitionen. Damit geraten Dekarbonisierungsstrategien häufig in einen Zielkonflikt zwischen ökologischer Ambition und wirtschaftlicher Rationalität. Eine rein ökologische Motivation reicht in der Praxis selten aus.
Strukturelle Rahmenbedingungen
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen. Zahlreiche Akteure, divergierende Interessen und zunehmende regulatorische Anforderungen machen deutlich, dass es keine universelle Standardlösung geben kann. Neue Standards wie CSRD, CSDDD und ESRS erhöhen den Druck auf Unternehmen, Transparenz über Emissionen herzustellen und Nachhaltigkeitsleistungen belastbar zu dokumentieren. Gleichzeitig endet die strategische Einflussmöglichkeit häufig an der eigenen Lagerwand. Besonders bei 3PL-Strukturen liegt die Entscheidungshoheit über Gebäudeinfrastruktur häufig nicht beim operativen Nutzer. Dadurch werden diese Standorte in der unternehmensweiten Emissionsbilanzierung teilweise unzureichend berücksichtigt, obwohl sie operativ eine zentrale Rolle spielen.
Zusätzlich wirken infrastruktureller Entscheidungen über lange Zeiträume. Investitionen in Gebäudehülle, Energietechnik oder Lagerautomation prägen Logistikstandorte häufig über 15 bis 30 Jahre. Besonders im Retrofit sind die Handlungsspielräume in besonderer Weise durch statische und architektonische Rahmenbedingungen eingeschränkt. Ein Teil der Emissionen ist damit faktisch bereits „verbaut“. Gleichzeitig fehlen bislang einheitlich definierte Standards zur Bilanzierung des Carbon-Footprints für Lagergebäude. Das erschwert nicht nur die Vergleichbarkeit, sondern verzögert durch fehlende Priorisierungs- und Steuerungsmöglichkeiten die Transformation.
Dimensionen ökologischer Nachhaltigkeit
Angesichts dieser Komplexität stellt sich für viele Unternehmen eine zentrale Frage:
Wie lassen sich die vielfältigen Anforderungen und Einflussfaktoren in eine umsetzbare Strategie zur CO₂-Reduktion für die eigenen Logistikstandorte überführen?
Ein erster Schritt besteht darin, die relevanten Nachhaltigkeitsdimensionen systematisch zu verstehen. Grundsätzlich lassen sich die Hebel zur Dekarbonisierung eines Logistikstandortes zwei Bereichen zuordnen: Gebäude und Umgebung sowie Logistik und Betrieb. Ein Logistikzentrum ist dabei kein statisches Gebilde, sondern ein komplexes System aus Energie-, Material- und Prozessflüssen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Einflussfaktoren, die die Umweltwirkung eines Standortes systematisch zu reduzieren.
Abbildung 1: Dimensionen der ökologischen Nachhaltigkeit in Logistikstandorten
Der grundlegende Energie- und Ressourcenbedarf eines Logistikstandortes wird maßgeblich durch seine Gebäudestruktur und die Gestaltung der Umgebung bestimmt. Dazu zählen insbesondere der Energieverbrauch für Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Lüftung sowie die Gebäudehülle und dort eingesetzte Baumaterialien. Auch Aspekte wie Wasserverbrauch, Flächengestaltung oder die Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden beeinflussen die ökologische Gesamtbilanz.
Im Bereich Logistik und Betrieb entsteht der tatsächliche Energie- und Ressourcenverbrauch durch die operativen Prozesse innerhalb des Lagers. Wichtige Hebel liegen hier beispielsweise in der Elektrifizierung von Flurförderzeugen, energieeffizienter Lager- und Fördertechnik, intelligenter Steuerung automatisierter Systeme sowie im Umgang mit Verpackungsmaterialien und Verbrauchsstoffen. Zunehmend gewinnen zudem Ansätze der Kreislaufwirtschaft an Bedeutung, etwa durch Recycling, Wiederverwendung von Materialien oder standortübergreifende Nutzung von Ressourcen.
Um diese vielfältigen Hebel strukturiert zu adressieren, empfiehlt sich eine klare Vorgehenslogik. Im Mittelpunkt steht ein vierstufiger Ansatz:
Messen -> Reduzieren -> Ersetzen -> Ausgleichen
Dieser dient als strukturierender Rahmen für die Entwicklung von Dekarbonisierungsstrategien und bildet zugleich den roten Faden der folgenden Betrachtung.
Auf dieser Grundlage werden zentrale Handlungsfelder entlang von Gebäude, technischer Ausstattung und operativem Betrieb beleuchtet. Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, relevante Hebel zu identifizieren, Maßnahmen zu priorisieren und daraus eine individuell messbare Transformationsstrategie für ihre Lager- und Logistikinfrastruktur abzuleiten.
Die Nachhaltigkeitsformel: Der strategische Kompass
Die hier vorgeschlagene Dekarbonisierungsstrategie folgt einer konsequenten Logik. Sie basiert auf einem universell anwendbaren Strukturprinzip, das der Komplexität und Individualität von Lagerstandorten Rechnung trägt. Unabhängig von Branche, Automatisierungsgrad und Standorttyp kann die Nachhaltigkeitsformel als Grundlage für eine belastbare Dekarbonisierungsstrategie dienen. Ob ein hochautomatisiertes E-Commerce-Fulfillment-Center neu geplant oder ein bestehendes Distributionszentrum im Brownfield optimiert wird: Die zugrundeliegende Logik bleibt identisch.
Dabei folgt sie einer festen Hierarchie, bei der jeder Schritt stets Priorität vor den nachfolgenden hat:
1. Messen -> 2. Reduzieren -> 3. Ersetzen -> 4. Kompensieren.
Diese Formel ist bewusst einfach gehalten. Sie bietet einen verlässlichen und stabilen Orientierungsrahmen, der sich mit hohem Individualisierungsgrad auf unterschiedliche Logistikstandorte, organisatorische Reifegrade und Rahmenbedingungen anwenden lässt. Dadurch hilft sie, die eigenen Dekarbonisierungsmaßnahmen zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. Der Fokus verschiebt sich hin zu einer systematischen und nachvollziehbaren Vorgehensweise.
Im Folgenden werden die einzelnen Schritte kurz vorgestellt:
1. Messen: Dieser erste Schritt ist so unerlässlich wie kritisch: Transparenz schaffen über den aktuellen Energieverbrauch und die daraus resultierenden Emissionen. Auf dieser Grundlage wird eine Baseline definiert, die als Planungsbasis für alle weiteren Maßnahmen dient. Ziel ist es, die Prozesse und Energieflüsse eines Standortes so transparent zu machen, dass die relevanten operativen Hebel identifiziert werden können.
2. Reduzieren: Hier steht die Steigerung der Effizienz im Vordergrund. Dazu gehören insbesondere Energieeffizienz, Materialflusseffizienz und Flächeneffizienz. Durch technische und prozessuale Optimierungen wird der Grundverbrauch gesenkt, noch bevor die zugrunde liegende Energiequelle betrachtet wird.
3. Ersetzen: In diesem Schritt findet der tatsächliche Wechsel auf nachhaltige Alternativen statt. Dazu zählt insbesondere der Einsatz erneuerbarer Energien sowie die Nutzung umweltfreundlicher Materialien.
4. Kompensieren: Auch bei konsequenter Umsetzung aller Maßnahmen bleiben häufig Emissionen zurück, die technisch oder wirtschaftlich derzeit nicht vollständig vermeidbar sind. Diese verbleibenden Emissionen können im letzten Schritt durch zertifizierte Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden.
Abbildung 2: Vierstufige Dekarbonisierungslogik – vom Emissions-Transparenzaufbau bis zur gezielten Kompensation
Wichtig ist jedoch: Die Nachhaltigkeitsformel ist kein strikt sequenzieller Prozess, der vollständig von Schritt eins bis vier durchlaufen werden muss. In der Realität entwickeln sich Dekarbonisierungsmaßnahmen parallel und iterativ. Während in einigen Bereichen noch Transparenz über Energieflüsse geschaffen wird, können an anderer Stelle bereits Effizienzmaßnahmen umgesetzt oder nachhaltige Technologien eingeführt werden. Entscheidend ist nicht die strikte Reihenfolge einzelner Maßnahmen, sondern die zugrunde liegende Prioritätslogik – ohne dabei pragmatische Verbesserungen im operativen Alltag zu behindern.
1. Messen: Status Quo erfassen und analysieren
Jede wirksame Dekarbonisierungsstrategie beginnt mit der Frage:
Wo entstehen in unserem Gebäude heute Energieverbräuche – und wo verlieren wir unnötig Effizienz?
Ohne belastbare Ausgangsbasis bleibt jede Maßnahme spekulativ. Erst wenn Energieverbräuche und Emissionen transparent quantifiziert sind, entsteht Steuerungsfähigkeit. Wer elektrifiziert, modernisiert oder investiert, ohne die tatsächlichen Verbrauchstreiber zu kennen, riskiert Fehlallokationen. Deshalb ist die strukturierte Erfassung und Analyse des Status quo die Voraussetzung für fundierte Entscheidungen.
Ziel dieser Phase ist es, vollständige Transparenz über Energieflüsse und Emissionen entlang der relevanten Warehouseprozesse zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um absolute Verbrauchswerte, sondern um Zusammenhänge: Wo entstehen Emissionen? Welche Prozesse treiben sie? Welche Kosten sind damit verbunden? Wo entstehen Lastspitzen? Wo stehen Verbrauch und Leistungsanforderung in keinem Verhältnis?
Gerade in Bestandsimmobilien oder 3PL-Setups ist Transparenz oft fragmentiert. Betreiber verantworten die Gebäudeinfrastruktur, Nutzer die operative Technik. Ohne klare Datengrundlage bleibt unklar, wer welchen Hebel besitzt und wo Verantwortung beginnt oder endet.
Eine wirkungsvolle Analyse im Lager erfolgt typischerweise in drei Ebenen:
- Strukturiertes Energieaudit:
Ein systematisches und regelmäßiges Untersuchen der Emissionen bzw. des Energieverbrauchs bewertet den Ist-Zustand von Gebäude, Technik und Betrieb. Es identifiziert ineffiziente Anlagen, unnötige Dauerverbräuche, überdimensionierte Systeme sowie Betriebszeiten ohne Leistungsbedarf. - Granulare Verbrauchserfassung (Submetering):
Gesamtverbrauchswerte reichen nicht aus. Erst die differenzierte Messung einzelner Bereiche oder Techniken (bspw. Fördertechnik, Kühlzonen, Ladeinfrastruktur) macht eine Ursachenanalyse möglich. Submetering schafft Transparenz auf Prozessebene. - Kontinuierliches Monitoring und Zielsteuerung:
Minutengenaue Verbrauchsdaten in Verbindung mit definierten Zielwerten machen Energie zu einer aktiv gesteuerten Größe. Abweichungen werden sofort sichtbar, Effekte von Optimierungen messbar. So wird Energieeffizienz Teil des operativen Managements – nicht nur Teil des Nachhaltigkeitsberichts.
Erst wenn wir verstehen, welche Prozesse die größten Emittenten sind - sei es die Heizung der Halle oder die Lastspitzen der Fördertechnik - können wir gezielte Prioritäten setzen.
2. Reduzieren: Effizienzpotenziale im Lager systematisch heben
Nachdem Transparenz über Energieflüsse und Verbrauchstreiber geschaffen wurde, beginnt der operativ wirksamste Schritt: das gezielte Reduzieren.
Wo setzen wir an, um den Energieverbrauch unseres Standorts spürbar und nachhaltig zu senken, ohne die Leistungsfähigkeit zu gefährden?
Dabei greifen zwei zentrale Hebel ineinander: Einerseits geht es um die Optimierung des Materialflusses und des Flächenverbrauchs. Gleichzeitig gilt es die Energieeffizienz der technischen Systeme zu steigern.
Materialfluss als organisatorischer Effizienztreiber
Ein ineffizienter Materialfluss verursacht unnötige Wege, Umlagerungen und Wartezeiten, falsch dimensionierte Förderstrecken und insgesamt höhere Kosten. Dadurch entstehen mehr Transporte, mehr Betriebsstunden, mehr Personaleinsatz, mehr Fläche und mehr Energiebedarf.
Durch gezielte Layout- und Prozessoptimierungen lassen sich
- innerbetriebliche Transportdistanzen reduzieren,
- Durchlaufzeiten verkürzen,
- Flächen produktiver nutzen,
- Anlagen besser auslasten und
- Wachstum innerhalb bestehender Gebäudestrukturen ermöglichen.
Gerade im Brownfield-Umfeld entscheidet eine intelligente Reorganisation darüber, ob ein Standort weiterentwickelt werden kann oder ob der Betrieb in neue Gebäude überführt werden muss. Eine sinnvolle Materialflussoptimierung steigert damit nicht nur die logistische Leistungsfähigkeit, sondern senkt gleichzeitig den Energiebedarf pro gelagerter und bewegter Einheit. Doch auch die wirkungsvollste strukturelle Optimierung ersetzt nicht die systematische Effizienzsteigerung technischer Hauptverbraucher.
Energieeffizienz als technischer Hebel
Selbst bei optimalem Layout und perfekt ausgelegtem Materialfluss bleibt die Reduzierung des Energieverbrauchs auch eine technische Aufgabe. In der Praxis konzentrieren sich die größten Hebel auf vier dominierende energieverbrauchende Bereiche eines Logistikstandortes.
Beleuchtung: Beleuchtung zählt zu den sichtbarsten und zugleich am schnellsten optimierbaren Energieverbrauchern im Lager. Moderne LED-Technologie, intelligente Steuerungssysteme sowie eine konsequente Nutzung von Tageslicht können den Energiebedarf deutlich reduzieren und gleichzeitig die Arbeitsqualität verbessern.
Heizung, Be- und Entlüftung sowie Klimatechnik (HVAC): In großvolumigen Logistikimmobilien verursacht die Gebäudekonditionierung einen erheblichen Anteil des Gesamtenergieverbrauchs. Maßnahmen reichen hier von baulichen Verbesserungen der Gebäudehülle über eine differenzierte Temperaturzonierung bis hin zu effizienteren Heiz- und Lüftungssystemen.
Fahrzeuge sowie Lager- und Fördertechnik: Innerbetriebliche Transportprozesse stellen einen weiteren relevanten Energieverbraucher dar. Elektrifizierte Flurförderzeuge sowie energieeffiziente Automatisierungslösungen können den Energiebedarf pro Bewegung und pro Auftrag signifikant reduzieren. Auch die Art und Weise, wie technische Systeme betrieben werden, hat großen Einfluss auf den Energieverbrauch. Bedarfsorientierte Steuerung von Förderstrecken, intelligente Fahrstrategien oder Energierückgewinnung in automatisierten Systemen reduzieren unnötige Lastspitzen und Energieverluste.
Strukturiertes Energiemanagement: Der übergeordnete Hebel liegt im Energiemanagement selbst. Erst durch eine systematische Datenerfassung, klare Verantwortlichkeiten und definierte Energiekennzahlen werden Effizienzmaßnahmen dauerhaft messbar und steuerbar.
Um diese Handlungsfelder konkret adressieren zu können, haben wir die wichtigsten Effizienzmaßnahmen für Logistikstandorte strukturiert zusammengefasst. Im Anhang dieses Whitepapers finden Sie einen kompakten Maßnahmenkatalog, der typische Optimierungspotenziale in den Bereichen Beleuchtung, HVAC, Fahrzeuge und Lagertechnik bis hin zum Energiemanagement aufzeigt.
Die Übersicht ist bewusst als praxisnahe Checkliste aufgebaut und kann direkt als Self-Check für den eigenen Standort genutzt werden. Sie ermöglicht es, systematisch zu prüfen, welche Maßnahmen bereits umgesetzt oder in Planung sind und wo zusätzliche Effizienzpotenziale bestehen. Darüber hinaus kann sie auch als Orientierung dienen, um technische Anforderungen in Ausschreibungen zu definieren oder externe Betreiber und Dienstleister entlang klarer Effizienzkriterien zu bewerten.
3. Ersetzen: Die Möglichkeiten für einen CO₂-neutralen Energieverbrauch
Dieser Schritt der Nachhaltigkeitsformel greift, wenn die Effizienzmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen und darüber hinaus langfristige Klimaziele erreicht werden sollen. Es werden konventionelle Technologien und Energieträger durch nachhaltigere Alternativen ersetzt. Für Logistikstandorte betrifft dies insbesondere die Stromversorgung, Heiz- und Kühlsysteme sowie die Antriebskonzepte intralogistischer Technik und Fahrzeuge außerhalb des Gebäudes. Typische Beispiele sind der Einsatz erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Flurförderzeugen und die Nutzung alternativer Wärmequellen.
Dabei wird der kumulative Charakter der Dekarbonisierungsstrategie deutlich, denn das Ersetzen bestehender Systeme kann nur unter Berücksichtigung der Gesamtstrategie sinnvoll erfolgen. Nur wenn der Energiebedarf zuvor reduziert wurde, kann sich der volle Nutzen entfalten. Wird diese Reihenfolge nicht eingehalten, besteht das Risiko, überdimensionierte Anlagen zu finanzieren oder unnötige Kapazitäten vorzuhalten. Das Ersetzen ist damit kein isolierter Technologieschritt, sondern eine konsequente Fortführung der zuvor realisierten Maßnahmen.
Ökostrom als zentrale Grundlage klimaneutraler Logistikstandorte
Strom aus erneuerbaren Energien ist dabei von grundlegender Bedeutung für klimaneutrale Logistikstandorte. Die Eigenerzeugung von Strom durch Photovoltaikanlagen auf Logistikdächern ist im Neubau schon überwiegend Standard. Dennoch bieten sich weitere Möglichkeiten zur Ausweitung der lokalen Stromproduktion. So erhöhen beispielsweise Fassaden- oder allgemein vertikale Module die Nutzung in Jahreszeiten mit niedrigem Sonnenstand. Ebenso lassen sich Freiflächen wie Frachthöfe, Parkplätze oder angrenzende Grünflächen für weitere Photovoltaikflächen nutzen. Für Brownfield-Projekte bzw. speziell bei Gebäuden mit geringer statischer Restkapazität, gibt es die Möglichkeit, ultraleichte Module auf dem Dach zu integrieren.
Um einen möglichst hohen Eigenverbrauch des erzeugten Stroms zu erreichen, gewinnen Batteriespeicher zunehmend an Bedeutung, auch der Preis ist zuletzt signifikant gesunken. Sie ermöglichen es, überschüssige Energie zu speichern und zeitversetzt zu nutzen, etwa, um in den Abend- oder Nachtstunden den Betrieb von Anlagen oder Ladeinfrastruktur elektrischer Fahrzeuge abzusichern. Gleichzeitig können Speicher helfen, Lastspitzen im Netzbezug zu reduzieren und begrenzte Netzanschlusskapazitäten zu umgehen.
Neben der lokalen Stromerzeugung durch Photovoltaik können weitere Technologien dazu beitragen, den Energiebedarf eines Logistikstandorts klimaneutral zu decken. Eine Übersicht zentraler Optionen zur Dekarbonisierung der Energieversorgung, von zusätzlichen Stromquellen über alternative Heiz- und Kühlsysteme bis hin zur Elektrifizierung technischer Anlagen, sind in der Abbildung 3 zusammengetragen.
Im Bereich der Wärme- und Kälteversorgung und Belüftung gelten insbesondere elektrische Wärmepumpen als zentrale Technologie für klimaneutrale Logistikstandorte. Sie können je nach Standortbedingungen mit Geothermie kombiniert werden und ermöglichen so eine effiziente Versorgung für Heizung und Kühlung. Ergänzend kommen elektrisch betriebene Flächen- oder Zonenheizsysteme, etwa Fußbodenheizungen oder Deckenstrahlplatten, zum Einsatz. Wo verfügbar, kann zudem die Nutzung industrieller Abwärme aus internen Prozessen oder benachbarten Anlagen einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Energiebedarfs leisten.
Abbildung 3: Die Möglichkeiten für einen CO₂-neutralen Energieverbrauch
Auch die Technik rund um den Logistikstandort spielt eine Rolle in der Dekarbonisierung. Während viele intralogistische Anlagen und Fördertechniken heute bereits elektrisch betrieben werden, bestehen insbesondere im Werksverkehr und in den standortbezogenen Transportprozessen /Betriebsprozessen häufig noch Potenziale zur Umstellung von kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen auf elektrische Alternativen.
Eine zentrale Voraussetzung hierfür ist der Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur am eigenen Standort. Sie ermöglicht nicht nur den Betrieb elektrischer Yard-Fahrzeuge, sondern bildet langfristig auch eine wichtige Grundlage für die Elektrifizierung der eigenen Nutzfahrzeugflotte. Die Bereitstellung von Ladeinfrastruktur gilt daher als einer der entscheidenden Hebel für die Dekarbonisierung logistischer Transportprozesse. Da sich dieses Whitepaper jedoch primär auf Maßnahmen innerhalb des Lager- und Gebäudebetriebs konzentriert, wird das Thema Ladeinfrastruktur hier nur am Rande betrachtet. Für eine ganzheitliche Dekarbonisierung logistischer Netzwerke bleibt es dennoch ein zentraler Baustein.
Zusätzliche Flexibilität im Energiesystem entsteht durch verschiedene Formen der Energiespeicherung. Neben Batteriespeichern können auch thermische Speicher oder Speicher in Produktionsmedien (beispielsweise benötigte Druckluft oder Stickstoff), genutzt werden, um Energie zeitlich zu verschieben und Lastprofile zu optimieren.
Nachhaltige Materialien und Ressourcen
Neben Energie spielt auch der Material- und Ressourcenverbrauch eine wichtige Rolle für die Nachhaltigkeitsbilanz eines Logistikstandorts. Besonders relevant sind dabei Verpackungsmaterialien, die durch regulatorische Anforderungen (z.B. PPWR, erweiterte Herstellerverantwortung), steigende Rohstoffkosten und ESG-Berichtspflichten zunehmend in den Fokus rücken.
Verpackungen wirken dabei durch direkte Materialverbräuche, ihren Einfluss auf das Transportvolumen, Handlingsaufwand, Automatisierungsgrad und Abfallströme entlang der gesamten Supply Chain. Nachhaltige Materialien sind daher kein reines Einkaufs- oder CSR-Thema, sondern betreffen ebenso operative Prozesse, Flächennutzung, Transporteffizienz und Kostenstrukturen.
Wie auch bei der Energieversorgung gilt hier eine klare Prioritätenlogik: Zunächst sollte der Materialeinsatz reduziert werden, etwa durch optimierte Verpackungsdimensionen, geringere Materialstärken oder standardisierte Ladungsträger. Erst im zweiten Schritt stellt sich die Frage nach der Substitution durch recyclingfähige, biobasierte oder wiederverwendbare Materialien.
Insbesondere für Mehrwegkonzepte gilt, dass sie erst bei stabilen, geschlossenen Kreisläufen und ausreichenden Umlaufzahlen ihr volles Potenzial entfalten. Auch deswegen ist innerhalb dieses Komplexes Materialien und Ressourcen eine ganzheitliche Betrachtung über Lebenszyklus, Prozesskompatibilität und Rückführungslogik entscheidend.
Eine Übersicht typischer Maßnahmen zur Materialreduktion, Materialsubstitution und Implementierung von Mehrwegsystemen findet sich im Anhang dieses Whitepapers.
Als Zwischenfazit für dieses Whitepaper lässt sich festhalten, dass der Schritt Ersetzen einen effizienten Standort in einen „grüneren“ verwandelt. Erfolgreich ist dieser Schritt jedoch nur, wenn er auf zuvor realisierten Effizienzmaßnahmen aufbaut und in eine übergeordnete Energie- und Standortstrategie eingebettet ist.
In der Praxis erweist sich meist eine Kombination aus lokaler Energieerzeugung und dem intelligenten Management als zielführend. Erst wenn alle Möglichkeiten des Ersetzens technisch oder wirtschaftlich ausgeschöpft sind, kommt im letzten Schritt der Nachhaltigkeitsformel die Kompensation unvermeidbarer Restemissionen.
4. Kompensieren: Der letzte Schritt, nicht der erste
Selbst bei konsequenter Umsetzung von Effizienzmaßnahmen und technologischen Umstellungen lassen sich in der Praxis nicht alle Emissionen vollständig vermeiden. Auch sehr ambitionierte Dekarbonisierungsstrategien stoßen irgendwann an technische, wirtschaftliche oder infrastrukturelle Grenzen. In solchen Fällen verbleiben Restemissionen, die kurzfristig nicht weiter reduziert werden können. Genau hier setzt der letzte Schritt der vorgestellten Nachhaltigkeitsformel an: die Kompensation (Offsetting) unvermeidbarer Emissionen.
Wichtig zu betonen ist es, dass diese Kompensationsmaßnahmen in einer vollständigen Dekarbonisierungsstrategie zwar eine Rolle spielen, jedoch niemals den Kern dieser bilden sollten. Ihre Funktion ist nicht strukturelle Defizite in der Energieeffizienz oder im Technologiekonzept zu überdecken. Dennoch ist klar, dass für das erklärte Ziel „Net-Zero“ je nach Energiebilanz am individuellen Standort Restemissionen durch zertifizierte Naturschutzprojekte an anderer Stelle neutralisiert werden müssen.
Gerade aus diesen Gründen ist die vielbesprochene Reihenfolge der Schritte in der Formel so entscheidend: Das Kompensieren bildet die Abrundung einer konsequent umgesetzten Dekarbonisierungsstrategie. Es sorgt für eine vollständig saubere Bilanz, während die eigentliche Transformation des Standorts durch Effizienzsteigerungen und den Einsatz nachhaltiger Technologien erreicht wird.
Da wir davon überzeugt sind, dass eine nachhaltige Substanz am Standort nur durch echte Veränderungen, an der Gebäudehülle und in den Logistikprozessen, zu erreichen ist, liegt der Schwerpunkt dieses Whitepapers bewusst auf den ersten drei Phasen.
Als neutrale Experten für Logistik und Intralogistik liegt unsere Kernkompetenz in der strategischen und technischen Optimierung Ihres Standortes. Der Markt für Kompensationszertifikate ist hingegen ein eigenständiges Spezialgebiet . Wir unterstützen Sie jedoch dabei, die notwendige Transparenz zu schaffen, damit Sie Ihren Ausgleichsbedarf präzise beziffern können.
Abschluss: Vom Maßnahmenkatalog zur individuellen Dekarbonisierungsstrategie
Der Weg zum klimaneutralen Logistikstandort ist eine zentrale strategische Weichenstellung. In einer Branche, in der Investitionsentscheidungen für Gebäude und Anlagen eine Wirkungsdauer von 10 bis 30 Jahren haben, ist die Dekarbonisierung heute gleichbedeutend mit Risikomanagement und Zukunftssicherung.
Die in diesem Whitepaper vorgestellten Maßnahmen zeigen das enorme Potenzial für mehr Nachhaltigkeit in der Intralogistik auf. Doch eine bloße Liste an Möglichkeiten ist noch keine Strategie. Der Weg zum klimaneutralen Standort ist kein Standardprodukt, sondern eine maßgeschneiderte Antwort auf die spezifischen Gegebenheiten eines Standortes.
Fortschritte entstehen nicht durch den isolierten Einsatz einzelner Technologien, sondern durch deren intelligente Abstimmung. Jede Maßnahme muss im Kontext des Standorts bewertet werden, etwa im Hinblick auf Brownfield- oder Greenfield-Strukturen, Netzanschlusskapazitäten oder Betreibermodelle. Entscheidend ist eine klare Priorisierung und die Integration in eine belastbare Roadmap, die kurzfristige Quick Wins mit einer langfristigen infrastrukturellen Transformation verbindet.
Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck durch Vorgaben wie CSRD oder ESRS kontinuierlich.
Unternehmen, die frühzeitig handeln, können Compliance-Anforderungen jedoch in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.
Voraussetzung dafür ist eine fundierte Datengrundlage: Nur wer seinen Status quo kennt, kann den Weg zur Klimaneutralität strategisch gestalten.
Anhang: Maßnahmenkatalog zur Steigerung der Energieeffizienz in Logistikstandorten
Der folgende Maßnahmenkatalog zeigt typische Hebel zur Reduzierung des Energieverbrauchs in Logistikstandorten. Die Maßnahmen basieren auf häufig identifizierten Effizienzpotenzialen in Lagerprojekten und können als Orientierung für Standortanalysen oder interne Verbesserungsprogramme genutzt werden.
Beleuchtung
| ❑ | LED-Umrüstung: Hierbei handelt es sich um einen sogenannten „Quick-Win“, da mit relativ wenig Aufwand erheblicher Nutzen erzielt werden kann. Durch den Austausch ineffizienter Leuchtmittel durch moderne LED-Technik kann bis zu 90 % Energie eingespart werden. |
| ❑ | Intelligente Steuerung: Durch den Einsatz von Bewegungs- und Präsenzmeldern sowie Tageslichtsensoren wird (künstliches) Licht nur dort und solange genutzt, wo es auch tatsächlich gebraucht wird. Je nach System und Automatsierungsgrad lässt sich durch diese Technik gegebenenfalls auch die Intensität steuern, womit eine noch abgestimmtere Lichtsteuerung möglich ist. |
| ❑ | Tageslichtnutzung: Die eben angesprochene künstliche Lichtnutzung lässt sich noch weiter durch die optimale Nutzung von Tageslicht, z.B. durch Optimierung der Fenstersysteme oder den Einsatz von Lichtkuppeln, eindämmen. Im Hallenneubau kann es sich an dieser Stelle auch lohnen, die Ausrichtung bzw. Orientierung des Gebäudes zu überprüfen. |
| ❑ | Dark Warehouses: Im Prinzip folgt dieses Lagerkonzept ganz natürlich, wenn die oben genannten Optimierungen bestmöglich umgesetzt werden, da es sich hier um das strategische Abschalten ungenutzter Beleuchtung in nicht belegten oder vollständig automatisierten Bereichen ohne den Einsatz von Menschen oder bei ausreichendem Tageslicht handelt. |
| ❑ | Optimierung der Außenbeleuchtung: Auch die Umgebung darf, wie weiter oben schon beschrieben, bei einer seriösen Dekarbonisierungsstrategie nicht außer Acht gelassen werden. Durch Zeitschaltuhren oder Dämmerungssensoren kann auch in diesem Bereich zur Neugestaltung der Emissionswerte beigetragen werden. |
| ❑ | Optimierung der Gebäudebestrahlung: Generelle Minimierung der Bestrahlung des Gebäudes aus Werbezwecken. |
Heizung, Be- und Entlüftung, Klimatechnik (HVAC)
| ❑ | Isolierung: Eine Verbesserung der Dämmung der Gebäudehüllen an Wänden, Decken und Böden sowie der Einsatz isolierter Schnelllauftore sollte bei dieser Dimension im Fokus stehen. Ebenso sollte eine Überprüfung und ggf. Anpassung der Laderampen vorgenommen werden. |
| ❑ | Sonnenschutzmaßnahmen und Verschattungslösungen: Diese Probleme lassen sich entweder natürlich (Umgebungsgestaltung -> Grünflächen etc.) oder durch Sonnenschutzkollektoren und Fensterfolien lösen. |
| ❑ | Temperaturzonierung: Unterschiedliche Bereiche der Hallen (z.B. Kommissionierung vs. Nachschublager) haben einen differenzierten Anspruch an die Umgebungsbedingungen. Es sollte deshalb immer bedarfsgerecht geheizt oder gekühlt werden. Ein erster Schritt kann sein, sich die Solltemperatur anzuschauen und diese eventuell anzupassen. Der Einsatz intelligenter Thermostate und Sensoren kann hier unterstützend wirken. |
| ❑ | HVLS-Großventilatoren: Um Heizkosten insbesondere in sehr hohen Hallen einzusparen, kann diese Art der Ventilatoren zum Einsatz gebracht werden. Sie sorgen für eine bessere Luftzirkulation und Temperaturverteilung. Ersteres kann in Kombination mit einer automatischen Torsteuerung noch weiter optimiert werden. |
| ❑ | Heizsysteme: Mittelfristig sind dezentrale Heizsysteme sinnvoll, um direkte und differenzierte Beheizung, wie in den obengenannten Punkten erläutert, zu ermöglichen. |
| ❑ | Prozessabwärme: Für das Heizsystem kann darüber hinaus die Abwärme aus technischen Anlagen oder der Produktion von Nutzen sein. |
Fahrzeuge, Lager- und Fördertechnik
| ❑ | Allgemeiner Einsatz energieeffizienter Maschinen und Prozesse |
| ❑ | Layoutoptimierungen reduzieren innerbetrieblichen Transport und steigern die logistische Effizienz ohne strukturelle Gebäudeanpassungen. |
Flurförderzeuge
| ❑ | Elektrische Antriebe: Konsequenter Wechsel auf elektrische Antriebe bei Flurförderzeuge. Alternative Antriebe sind in Sonderfällen auch realistisch, bisher sieht jedoch vieles nach Optimierungen in der Batterietechnik aus. |
| ❑ | Lademanagement: Optimierung der Ladezyklen zur Vermeidung von Lastspitzen und zur Schonung der Batterielebensdauer. Auch relevant in Bezug auf Netzentgelte. |
| ❑ | Assistenzsysteme: Einsatz von Software zur Routenoptimierung, um unnötige Leerfahrten zu vermeiden sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen für die manuelle Steuerung. |
| ❑ | Fahrertrainings: Fahrradtrainings für Mitarbeitende - Sensibilisierung für energieeffiziente Fahrweise und Verkehrsfluss im innerbetrieblichen Transport. |
| ❑ | AMR/AGV Lösungen: Umstellung auf automatisierte FFZ, da diese in der Regel geringeren Verbrauch haben, da sie stärker und konsequenter energiesparend betrieben werden können. Speziell in Flottenanwendungen in der Kommunikation und Vorausplanung anderer kreuzender Fahrzeuge kommen hier Energieeinsparungen zum Tragen. |
Lagertechnik
| ❑ | Energieeffiziente Automatisierung: Einsatz automatisierter Lagerlösungen können, wenn sie richtig dimensioniert sind, den Energieverbrauch pro Bewegung und pro Auftrag deutlich senken. |
| ❑ | Energierückgewinnung: Regalbediengeräte und andere dynamische Systeme sollten Brems- und Senkenergie ins Netz zurückspeisen, um Lastspitzen zu reduzieren und Energieverluste zu vermeiden. |
| ❑ | Intelligente Last- und Fahrstrategien: Durch koordinierte Steuerung von Regalbediengeräten lassen sich Gleichzeitigkeitseffekte, unnötige Leerfahrten und Lastspitzen gezielt reduzieren. |
| ❑ | Retrofit: Die Modernisierung bestehender Anlagen reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern verlängert Lebenszyklen und passt Systeme an veränderte logistische Anforderungen an. |
Fördertechnik
| ❑ | Bedarfsorientierte Steuerung: Förderstrecken und Teilanlagen sollten lastabhängig gesteuert und bei Nichtnutzung abgeschaltet werden („Power-on-Demand“). |
| ❑ | Hocheffiziente Antriebstechnik: Moderne Motoren, dezentrale 24V-Systeme oder frequenzgeregelte Antriebe reduzieren Energieverluste und verbessern die Teillast-Effizienz. |
| ❑ | Zonenbasierte Förderkonzepte: Segmentierte Förderabschnitte mit intelligenter Sensorik vermeiden Dauerlauf und reduzieren unnötigen Energieeinsatz. |
| ❑ | Mechanische Widerstände minimieren: Optimierte Rollen, geringe Reibungsverluste und regelmäßige Wartung senken den Energiebedarf dauerhaft. |
Der übergeordnete Hebel: Energiemanagement
Technik allein reicht nicht aus. Ein strukturiertes Energiemanagement ist die Klammer um alle Reduktionsmaßnahmen. Es schafft Transparenz, Prioritätensetzung und messbare Fortschritte. Dazu ist es wichtig eine klare Strategie zu entwickeln.
| ❑ | Verbindliche Energiepolitik: Klare Ziele, Verantwortlichkeiten und Zielpfade schaffen Orientierung und verankern Energieeffizienz als strategische Führungsaufgabe. |
| ❑ | Regelmäßige Energieaudits: Strukturierte Überprüfungen decken technische, organisatorische und prozessuale Optimierungspotenziale systematisch auf. |
| ❑ | Mitarbeitende aktiv einbinden: Gezielte Schulungen der Mitarbeiter und klare Leitlinien fördern energieeffizientes Verhalten im Alltag. |
| ❑ | Monitoring-Tools: Kontinuierliche Analyse und Überblick über die Verbräuche, Lastprofile und Abweichungen in digitalen Monitoring-Tools identifizieren Einsparpotenziale. |
| ❑ | Energiekennzahlen in die Performance-Steuerung integrieren: KPIs wie kWh pro Auftrag oder pro Umschlagseinheit verankern Energieeffizienz in der operativen Steuerung. |
| ❑ | LCC-Analyse: Priorisierung von Investitionen basierend auf den Total Cost of Ownership statt nur auf den Anschaffungskosten. So werden Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit gemeinsam relevant berücksichtigt. |
3. Ersetzen
Materialreduktion
| ❑ | Reduktion der Folienstärke: geringerer Materialeinsatz bei gleicher Funktion |
| ❑ | Right-Sizing von Kartons: weniger Luft und Füllmaterial |
| ❑ | Standardisierung von Verpackungsgrößen: geringere Variantenvielfalt |
| ❑ | Optimierung der Palettenstabilisierung: bedarfsgerechter Stretchanteil |
Materialsubstitution
| ❑ | Einsatz von Recyclingkarton: hohe Verwertungsquote |
| ❑ | Verwendung von PCR-Kunststoffen: Reduktion von Primärrohstoffen |
| ❑ | Papierklebebänder statt Kunststofftape: bessere Recyclingfähigkeit |
| ❑ | Papierpolster statt Kunststofffüllmaterial: einfachere Entsorgung |
| ❑ | Linerless Printing: Vermeidung des Kunststoff-Trägerbandes bei Etikettendruckern |
Mehrweg- und Kreislaufsysteme
| ❑ | Mehrwegtransportbehälter: z.B. geschlossene B2B-Kreisläufe |
| ❑ | Klappboxen im Filialnetz: reduzierte Einweganteile |
| ❑ | Mehrwegabdeckungen für Rollcontainer: Ersatz von Stretchfolie |
| ❑ | Wiederverwendung in gleicher Funktion: Ein Karton, eher aber noch Sonderformen aus Pappe oder Kartonmaterial wie bspw. Kantenschutzleisten können ohne Qualitätsabfall mehrfach verwendet werden. |
| ❑ | Wiederverwendung in anderen Bereichen: Kartons können als Layertrenner verwendet werden. |
| ❑ | Wiederverwendung als Füllmaterial: Kartonagen und Pappen können durch den Einsatz eigener Schreddermaschinen zu Füllmaterial im Warenausgang wiederverwendet werden. |
| ❑ | Pfandbasierte Versandlösungen: hier ist allerdings meist eine hohe Umlaufzahl erforderlich |
Systemische Optimierungen
| ❑ | Automatisierte Zuschnittsysteme: passgenaue Verpackungen |
| ❑ | Shelf-Ready- oder Display-Paletten: Vermeidung zusätzlicher Umverpackung |
| ❑ | Zentrale Abfalltrennung im Lager: verbesserte Recyclingquoten |
| ❑ | Monitoring von Materialkennzahlen: Transparenz über Verbrauch pro Sendung |
Autor
Deutschland
Kevin Wicklein
Senior Consultant | Workstream Lead Facility & Intralogistics - CoE Sustainability